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Hamburg Port
Consulting

Vor mehr als 10 Jahren traf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ganze Volkswirtschaften. Zu diesem Zeitpunkt war ich Student der Transportökonomie. Als Bestandteil unserer Statistikkurse habe ich gelernt, Modelle anzuwenden, die auf Basis von historischen Daten zukünftige ökonomische Ergebnisse wie die Wirtschaftsleistung prognostizieren. Ich habe gelernt, dass dieses Vorgehen eine erhebliche Einschränkung hat – diese Modelle können nämlich keine strukturellen Veränderungen prognostizieren. Die derzeitige Covid-19-Situation erinnert mich an das, was wir eine Dekade zuvor gesehen haben: Je länger ein bestimmter Trend anhält, desto mehr tendieren Menschen dazu, sich auf die historische Entwicklung zu stützen, um zukünftige Ergebnisse vorherzusagen. Meiner Meinung nach sind die Pandemie und die daraus resultierende Rezession nur ein weiteres Beispiel für die Grenzen vieler Prognosevorhaben.

Bedeutung für Transportprojekte

Diese Krisen haben gezeigt, dass kritische Ereignisse und strukturelle Veränderungen die derzeitige und zukünftige Situation vollkommen verändern können. Prognosen, die sorgfältig auf Basis von historischen Daten und der erwarteten zukünftigen Entwicklung erstellt wurden, sind innerhalb kürzester Zeit veraltet und überholt. Seehäfen erleben plötzliche Einbrüche der Umschlagsmengen; Binnenhäfen verlieren Güterumschlag an Bahnterminals oder Straßentransport, und einmal erreichte Umschlagsmengen fallen auf ein niedrigeres Niveau zurück. Nicht selten stellen diese Ereignisse und Veränderungen einen Wendepunkt mit gravierenden langfristigen Konsequenzen dar. Häfen, die in der Vergangenheit das bevorzugte Gateway darstellten, Transportrouten, die bisher den primären Weg zur Verbindung von zwei Märkten ausmachten und Verkehrsträger, die die üblicherweise gewählte Transportoption darstellten, büßen jetzt stark an Bedeutung ein.

Das beschäftigt mich, da es Teil unseres Tagesgeschäftes bei HPC Hamburg Port Consulting ist, Transportsysteme im Auftrag unserer Kunden des privaten und öffentlichen Sektors weltweit zu gestalten. Dazu gehören der Betrieb von See- und Binnenhäfen, Flughäfen und Bahnterminals. Da viele Transportprojekte buchstäblich auf diesen Prognosewerten aufgebaut wurden, haben kritische Ereignisse und strukturelle Veränderungen weitreichende und häufig auch lähmende Auswirkungen auf Transportsysteme. Private und staatliche Organisationen haben häufig zu hohen Opportunitätskosten in ihre Transportsysteme investiert. Hinzu kommt, dass viele dieser Projekte eine langfristige Investitionsbindung und -verpflichtung mit sich bringen.

In Anbetracht all dessen lassen mich die Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten daran zweifeln, dass die anfangs beschriebene Art, wie Prognosen erstellt werden, noch angemessen ist. Ich fühle mich in dem Gedanken ermutigt, dass nicht nur Daten, sondern – ebenso bedeutend – umfassendere Informationen zum Kontext eine wesentliche Rolle bei der Erstellung von Prognosen für Transportprojekte spielen müssen.

Das Morgen ist schon im Heute vorhanden

Es könnte argumentiert werden, dass die Vergangenheit und Gegenwart bereits Informationen über die Zukunft beinhalten. Da Märkte sich aus dem Zusammenspiel von verschiedenen Marktakteuren bilden, formen ihre Handlungen und Aussagen die heutige und zukünftige Marktsituation und -entwicklung. Die Marktakteure umfassen Hafen- und Terminalbetreiber, Logistikdienstleister und Spediteure, Transportunternehmen, Behörden, Wirtschaftsverbände und Konsumenten sowie Produktions- und Handelsunternehmen. Ihre Aktionen können bereits frühzeitig sichtbar werden, entweder in Form von klaren Handlungen und Äußerungen gegenüber einem breiten Publikum oder als einzelne und weniger sichtbare Handlungen und Äußerungen gegenüber einem begrenzten Publikum. Letztere sind natürlich weniger sichtbar, aber meist von ebenso großer Wichtigkeit.

Manche Entwicklungen können direkt beobachtet werden und entfalten sich über einen längeren Zeitraum. Diese Entwicklungen sind wenig überraschend, sobald sie ihre volle Wirkung entfalten, wie zum Beispiel Investitionen in harte Infrastruktur inklusive Häfen, Bahnterminals und Kanälen. Andere Entwicklungen sind weniger sichtbar, aber entstehen schrittweise, wie Veränderungen in weiche Infrastruktur wie z. B. regulatorische Anpassungen. Sichtbar oder weniger sichtbar – jede dieser Maßnahmen gestaltet die Entwicklung von Transportmärkten.

Vor einigen Jahren stieß ich auf ein Zitat des Zukunftsforschers Robert Jungk. Seitdem lässt es mich in seiner praktischen Bedeutung für Prognosen für Hafen- und Logistikprojekte nicht mehr los: „Das Morgen ist bereits im Heute vorhanden (…), es tarnt und entlarvt sich hinter dem Gewohnten.“ Die Bedeutung, die ich von Robert Jungks Aussage zu Prognosen für und das Design von Transportsystemen ableite, ist folgende: Durch aktuelle Handlungen und Äußerungen deuten Marktakteure bereits auf ihre zukünftigen Aktionen hin. Wenn ich diese scheinbar versteckten Teilinformationen der Marktakteure zusammenfüge, kann mir das dabei helfen, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses oder sogar einer Entwicklung einzuschätzen. Der Ansatz, die jüngste Vergangenheit nach diesen verschiedenen subtilen Signalen zu analysieren und eine zusammenhängende Bedeutung für die Zukunft von Transportsystemen abzuleiten, erscheint mir überzeugend.

Verfügbarkeit von Daten und Informationen

Ich kenne Logistikdienstleister, die ihre eigenen Informationssysteme entwickeln, um Daten über z. B. Märkte, Routen, Transportflüsse und Kosten ab ihrer Entstehung zu erfassen. Diese Dienstleister kombinieren diese verschiedenen Daten und Informationen, leiten Bedeutungen ab und versuchen entsprechend zu reagieren – ein Ansatz, der als Data Mining und Predictive Analytics bekannt ist.

Leider sind viele Informationen nach wie vor nicht verfügbar. Trotz massiver Verbesserungen im Daten- und Informationsaustausch im Transportsektor, insbesondere über die letzten Dekaden, und der enormen Vielfalt und Menge an Informationen, die uns heute zur Verfügung steht, sind viele davon nach wie vor nicht oder nur mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung verfügbar. Ich gehe davon aus, dass die Verfügbarkeit an Informationen weiter zunehmen wird, bei gleichzeitigem Abbau der zeitlichen Verzögerung. Wenngleich Informationen, die aus individueller Erfahrung mit und Einblick in Prozesse und Ereignisse resultiert, mit anderen Menschen geteilt werden könnten, werden sie dennoch selten einem breiten Publikum offengelegt.

Beleuchten wir den Kontext von Transportsystemen

Das Beste, was wir meiner Meinung nach tun können ist, den Kontext von Transportsystemen nach diesen subtilen Signalen der zukünftigen Handlungen und Entwicklungen zu analysieren und aus den einzelnen Informationen zusammenhängende Zukunftsszenarien zu entwickeln. Um Prognosen für z. B. Häfen oder intermodale Bahnterminals zu erstellen, nutzen wir bei HPC eine Vielfalt von Informationsquellen. Zuerst nutzen wir sowohl ältere als auch aktuelle Daten zu Betrieb, Umschlagsmengen und Märkten als wichtige Basisinformationen. Wir analysieren die Daten in Bezug auf Engpässe, vergleichen sie mit ihren regionalen und weltweiten Bezugsgruppen und bewerten Veränderungen in Marktstrukturen und der Marktentwicklung. Von ebenso großer Bedeutung sind persönliche Interviews mit den wesentlichen Marktakteuren. Aus meiner Sicht sind solche Interviews eine ideale Methode, um die schon erwähnten verborgenen Detailinformationen aufzudecken. Business Intelligence-Technologien ermöglichen es uns, die verschiedenen Informationsquellen zu analysieren und erlauben es unseren Kunden, ihre Leistung unmittelbar zu analysieren und Prognosen zu aktualisieren. Dieses Vorgehen ermöglicht es unseren Kunden, einen Schritt voraus zu sein und entstehende Gelegenheiten am Markt früher zu nutzen.

Die Bedeutung von robusten Prognosen wird insbesondere dann deutlich, wenn man bedenkt, dass Prognosen eine unverzichtbare Basis für z. B. die Planung von Transportsystemen, Verkehrssimulationen, Wirtschaftlichkeitsanalysen, Privatisierungsprojekten und Kosten-Nutzen-Analysen darstellen.

Was schließlich bleibt, ist das Risiko, die richtigen diagnostischen Signale nicht zu erkennen. Ich bin gespannt, wie wir unsere Prognosen weiter verbessern können – Prognosen die robust genug sind, um darauf gewichtige Investitionsentscheidungen aufzubauen – selbst in Zeiten der Unsicherheit.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir von Ihrer Situation berichten und mit Ihnen zu diskutieren, wie Prognosen zu belastbaren Betriebs-, Investitions- und Standortentscheidungen in Ihrem Unternehmen beitragen könnten.

 

Über den Autor:

Stephan Hofmann studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik und Supply Chain Management, promovierte in Wirtschaftswissenschaften zu Engpässen in Supply Chains im südlichen Afrika und ist Transportökonom bei HPC Hamburg Port Consulting. Bei HPC ist er verantwortlich für die Erstellung von Marktprognosen und darauf basierenden Wirtschaftlichkeitsanalysen für See- und Binnenhäfen sowie intermodale Bahnterminals in Deutschland und auf dem afrikanischen Kontinent.

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